Meine Rede zu Schleswig-Holstein schreibt die Energiegeschichte fort

29.01.2026

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir stehen heute an einem entscheidenden Punkt unserer wissenschaftlichen und energiepolitischen Zukunft: Die neu gegründete Allianz für Fusionsforschung markiert einen bedeutenden Schritt für Deutschland – und für Schleswig-Holstein ganz besonders.

Doch was ist Fusionsforschung überhaupt?

Fusionsforschung beschäftigt sich mit einem der faszinierendsten wissenschaftlichen Vorhaben unserer Zeit: Ein Blick in die Natur war der Grundstein für die Idee hinter den aktuellen Entwicklungsvorhaben. Die Energiegewinnung nach dem Vorbild der physikalischen Prozesse der Sonne – das ist das Ziel. Dabei kollidieren Wasserstoffatome und verschmelzen unter hohem Druck und hohen Temperaturen miteinander. Energie wird freigesetzt. Zwar können die auf der Sonne herrschenden Druckverhältnisse nicht auf der Erde hergestellt werden, durch hohe Temperaturen aber ist es auch hier möglich, solche Prozesse in Gang zu setzen.

Dieser Wärmezufluss ist momentan noch so energieintensiv, das zur Entstehung dieser Reaktion mehr Energie benötigt wird, als am Ende gewonnen wird. Genau mit diesem Problem ist die Fusionsforschung beschäftigt: Wie kann man diesen Prozess effizient und gewinnbringend weiterbringen, um die Kernfusion auch als Energiequelle nutzbar machen zu können.

Die daraus entwickelbaren Fusionskraftwerke bietet eine riesige Chance für uns alle: Eine nach menschlichem Maßstab praktisch unerschöpfliche Energiequelle, bei der Energie fast ohne schädliche Endprodukte gewonnen wird und somit einen ressourcenschonenden Durchbruch in der Energieversorgung bedeuten würde. Zudem ist Fusionsenergie, anders als Sonnen- und Windenergie, unabhängig von Wetter und Standort – das bedeutet konstant verfügbare Energie.

Die Fusionsforschung ist durchaus aussichtsreich, aber auch langwierig. Kernfusion hat das Potenzial, die Energieversorgung für die nächsten tausend Jahre umweltschonend zu sichern. Ein Ziel, das angesichts der aktuellen klimatischen Veränderungen besser heute als morgen angepackt werden sollte.

Machen wir uns nichts vor: Eine Förderung dieser bahnbrechenden Forschung ist kostspielig, aber wahrscheinlich eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft der kommenden Generationen.

Schleswig-Holstein ist das Land der Erneuerbaren Energien und damit prädestiniert, Demonstrationsprojekte, neue Technologien und intelligente Netzintegration voranzubringen.

Ich begrüße es daher sehr, dass wir uns gemeinsam mit fünf weiteren Bundesländern in der Allianz für Fusionsforschung engagieren. Mit der Gründung dieser Allianz bündeln wir Kräfte aus Wissenschaft, Forschungseinrichtungen und Industrie hier in Deutschland, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Wir wollen Strukturen schaffen, Know-how konzentrieren, Forschungsstrategien abstimmen und neue Technologien gemeinsam zur Marktreife bringen.

Mit der Allianz senden wir aus Schleswig-Holstein zusammen mit den Allianzpartnern auch ein klares Zeichen in Richtung Bund:

Wir wollen Innovation – für den Wissenschaftsstandort Deutschland, für eine klimaneutrale und ressourcenschonende Energiegewinnung, für die Menschen hier und in der gesamten Welt. Denn dies ist ein Thema, das uns alle angeht. Dabei wollen wir nicht nur mitmachen, sondern aktiv mitgestalten. Wir haben die nicht unrealistische Chance, dass das weltweit erste rentable Fusionskraftwerk in Europa, in Deutschland und vielleicht sogar in Schleswig-Holstein ans Netz geht.

Meine Damen und Herren, Schleswig-Holstein ist jetzt dabei, an einem zentralen Kapitel der Energiegeschichte aktiv mitzuschreiben. Fortschritt braucht Mut – und den beweisen wir mit der Unterstützung der Fusionsforschung.

Vielen Dank.